Studiengang in Lübeck: »Bachelor Hörakustik« (To be Insider in 12 Minute n)

Akademische Bildung?
Ja bitte!

Nachdem PISA in vielen Bildungsbereichen zu einem Sinnbild für mangelhafte Qualität in der Lehre und damit für schlechte Zukunftsperspektiven für Deutschlands Jugend geworden scheint, ist man geneigt – frei nach Goethes »Wandrers Nachtlied« – die Situation schlechthin wie folgt zu beschreiben:

Über allen Bänken
Ist Ruh,
Vom Unterricht
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die neben mir schlafen schon feste.
Ich glaube, es ist das beste,
Ich schlafe auch!

Johann Wolfgang von Goethe

Dies trifft für Lübeck wahrlich nicht zu. Im Gegenteil: Es werden im Bereich der zukunftsorientierten akademischen Bildungsgänge neue Wege beschritten. Wege mit internationalem Ausblick, Wege mit betont praxisnaher Lehre. Brandaktuell liegt nun der Bescheid des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein über die Einrichtung des neuen Bachelor-Studiengangs »Hörakustik« an der Technischen Hochschule Lübeck auf dem Tisch.

Dieser neue, 6-semestrige Fachhochschul-Studiengang »Hörakustik« mit dem international anerkannten Bachelor-Abschluss wird in Kooperation mit der Akademie für Hörakustik (afh) bereits ab dem Wintersemester 2004/2005 angeboten. Er löst den bestehenden Diplom-Studiengang „Medizintechnik – Hörgeräte-Akustik« ab. Damit stellen sich die Fachhochschule Lübeck und die Akademie für Hörgeräte-Akustik »wie alle deutschen Hochschulen« auf die zunehmende Internationalisierung des Bildungswesens ein.

Obwohl die Qualität der deutschen, sogenannten einstufigen Studienangebote mit Diplomabschluss als hoch bewertet wird, kann die Tatsache nicht ignoriert werden, dass etwa 90 % der Hochschulen in der Welt Abschlüsse nach angloamerikanischem Muster verleihen. Der von Hochschule und Politik in den 90er Jahren angestoßene »Bologna-Prozess« mit der Umstellung auf die international üblichen Abschlüsse »Bachelor« und den darauf aufbauenden »Master« (sogenannte »gestufte« Studienstruktur) bietet die Chance einer grundlegenden Modernisierung bzw. Strukturreform der Hochschul-Ausbildung in Deutschland. Wesentliche Ziele sind dabei:

  • Größere Praxisnähe des Studiums, das über die fachliche Ausbildung hinaus auch überfachliche Qualifikationen vermitteln soll.
  • Kürzere reale Studiendauer, damit die Absolventen auf dem nationalen und internationalen Arbeitsmarkt konkurrenzfähiger werden.
  • Flexibilisierung bzw. Internationalisierung der Hochschulausbildung, d.h., die Studierenden sollen einen größeren Gestaltungs-Spielraum erhalten, indem sie Module im Ausland studieren oder fremdsprachige Lehrveranstaltungen belegen können.

Notwendige Voraussetzung dafür ist zum einen die vollständige Modularisierung der Studiengänge und zum anderen die gegenseitige internationale Anerkennung von Studien- bzw. Prüfungs-Leistungen. Dabei erfolgt die Bewertung nach einem Leistungs-Punktesystem, dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS). Es basiert auf der Übereinkunft, dass das Arbeitspensum der Studierenden während eines akademischen Jahres 60 Leistungspunkte (ECTS-credits oder credit points) ergibt. Ein Credit Point repräsentiert eine Arbeitsbelastung von etwa 25 bis 30 Stunden. Demnach ist ein Bachelor-Studium ein Full-time – Job. Für den 3-jährigen Lübecker Hörakustik-Bachelor werden inklusive der Bachelor-Arbeit 180 credits vergeben.

Inhaltlich ist der in dieser Form bundesweit erstmalig angebotene und einzigartig angelegte Bachelor-Studiengang der Hörakustik so konzipiert, dass er zu etwa gleichen Anteilen die folgenden Schwerpunkte enthält:

  • Technischer und mathematisch/ naturwissenschaftlicher Bereich
  • Hörakustischer und medizinisch/ audiologischer Bereich
  • Betriebswirtschaftlicher bzw. wirtschaftswissenschaftlicher Bereich nebst Sprachen.

Diese Ausrichtung bzw. Schwerpunkt-Bildung trägt nicht nur den hohen fachlichen Anforderungen der medizinischen Audiologie und praktischen Hörsystem-Anpassung Rechnung, sondern sorgt auch für eine profunde Ausbildung im betriebswirtschaftlichen Bereich. Optimale Voraussetzungen also, um den zukünftigen beruflichen Herausforderungen beispielsweise als Institutsleiter eines Hörakustik-Fachbetriebes, als Fachkraft in audiologischen Zentren, in der audiologisch-technischen Industrie – insbesondere bei Hersteller-Firmen von Hörsystemen – oder als audiologische Berater erfolgreich tätig zu werden.

Dieser Studiengang ist besonders praxisnah, weil er die Berufsausbildung für Hörgeräte-Akustiker mit einem Studium an der Fachhochschule kombiniert. Damit ist es vor allem für junge Leute, aber auch für »Alt-Gesellen und -Meister« der Hörgeräte- Akustik geeignet, die auf einem gehobenen fachlichen Niveau und unter Einbeziehung ihrer praktischen Erfahrungen in der Hörgeräte-Branche arbeiten und Führungsaufgaben übernehmen möchten. Voraussetzungen für den Bachelor-Abschluss sind neben der Fachhochschulreife oder der Allgemeinen Hochschulreife der Gesellenbrief im Hörgeräte-Akustiker – Handwerk. Eine Zulassungsbeschränkung (numerus clausus) gibt es für diesen Studiengang zur Zeit nicht.

Weitere herausragende Besonderheiten dieses Lübecker Studiengangs sind neben den inhaltlichen Schwerpunkten, dass die Prüfungsleistungen sowohl für den fachtheoretischen Teil der Meisterprüfung im Hörgeräte-Akustiker – Handwerk anerkannt werden, als auch kompatibel sind mit den Anforderungen des zukünftigen Europa-Diploms der Assoçiation Européenne des Audioprothésistes (A.E.A.).

Hinzu kommt: Die Lübecker Akademie hat Erfahrungen mit akademischen Bildungsgängen im Bereich der Hörakustik. Als bundesweit erste Bildungsinstitution hat sie 1999 den Diplom-Studiengang Medizintechnik mit der Studienrichtung Hörgeräte-Akustik in Kooperation mit der Fachhochschule sowie der Universität zu Lübeck eingerichtet. Ein Großteil der Studenten – allesamt an der Lübecker Akademie zu Hörgeräte-Akustikern ausgebildet – hatten auf Grund ihrer hohen fachlichen Qualifikation, gepaart mit hörakustisch-praktischem Know-how, bereits vor dem Diplom-Abschluss feste Einstellungszusagen.

Auch dies ist eine markantes Zeichen dafür, dass die besondere Praxisnähe in Form einer Kombination von akademischer Lehre und Berufsausbildung nicht nur eine hohe fachliche Kompetenz der Absolventen hervorbringt, sondern vor allem auch hervorragende Arbeitsmarkt-Perspektiven eröffnet.
Neben der Fachhochschule und der Akademie, an der im Wesentlichen die hörakustischen Fachveranstaltungen stattfinden werden, ergänzen weitere starke Kooperationspartner den »campus acusticus« in Lübeck, der sich seit 1999 nach der erstmaligen Einführung der Hörgeräte-Akustik als Studienrichtung enorm entwickelt hat. Gemeint sind die Universität mit ihren medizinischen und technisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten, insbesondere mit den Fachgebieten HNO-Heilkunde mit der Sektion für Phoniatrie und Pädaudiologie, Medizinische Informatik, Neuro- und Bio-Informatik, Psychologie, digitale Signalverarbeitung und – last not least – natürlich das Deutsche Hörgeräte Institut sowie die Bundesoffene Landesberufsschule für HörakustikerInnen (LBS Hörakustik).

Interessierte melden sich bitte
Beim Fachbereich »Angewandte Naturwissenschaften«
Der Fachhochschule Lübeck
Stephensonstraße 3
D-23562 Lübeck oder unter
Telefon +49 (0) 4 5 1 /  3 00-50 17 oder per
eMail unter an@fh-luebeck.de,
um Informationen und Bewerbungsunterlagen anzufordern.

Autor: Andreas Blöß

 

 

Autor: Thomas Keck

Thomas Keck ist durch seinen Beruf als Hörsystemakustiker bestens mit der Präzision und Sorgfalt vertraut, die sowohl für die technische Arbeit als auch für den direkten Kundenkontakt erforderlich sind. Sein Werdegang zeugt von einer kontinuierlichen Entwicklung und einem hohen Maß an Fachwissen, unterstrichen durch den Meisterbrief und die Selbstständigkeit. Er verfolgt seine Interessen mit Leidenschaft und widmet sich einer Vielzahl von Aktivitäten, von Musik über die Beschäftigung mit Oldtimern bis hin zur Werteschätzung der Bibel. Thomas bewundert Menschen, die in ihrem Feld Spitzenleistungen erbringen, wie diverse Musiker und Schauspieler. Dies deutet auf eine hohe Wertschätzung für Expertise und handwerkliches Können hin.

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