Jürgen Brater »Bier auf Wein, das lass sein! – Kleines Lexikon der unsinnigen Regeln und Ermahnungen«. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, 2004. 158 Seiten, 12,95 €. ISBN 3-8218- 3597-4. Erhältlich im Buchvertrieb des Median-Verlages.
In diesem etwas anderen Lexikon, findet man von A(ufhören: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist!) bis Z(ecken: Willst du eine Zecke entfernen, träufle Öl darauf.) – die Schlagwörter sind alphabetisch geordnet – viele unsinnige Regeln und Ermahnungen.
In der Kinder- und Jugendzeit hört man durch Eltern, Großeltern und andere Verwandte sehr viele Vorschriften, Regeln und Verbote. Wir frieren nichts mehr ein, was aufgetaut wurde, Essen den Teller leer und sitzen gerade, ohne uns über Sinn oder Unsinn unseres Tuns auch nur Gedanken zu machen. Dieses Buch erklärt, warum viele Vorschriften und Verbote, nach denen wir uns täglich – bewusst oder unbewusst – richten, blanker Unsinn sind.
Eine Regel, die uns von klein auf verfolgt, lautet: »Ehrlich währt am längsten!« Folgender Kommentar findet sich unter dieser Überschrift: »Die wohl am häufigsten geäußerte Lüge besteht aus einem einzigen Wort: ›gut‹. – ›Wie geht’s?‹ ›Gut.‹ – ›Wie steht mir meine neue Frisur?‹ ›Gut.‹ Wäre es besser, hier jedes Mal wahrheitsgemäß mit ›schlecht‹ zu antworten? Sicher nicht! Man würde den Gesprächspartner nur unnötig kränken oder in Verlegenheit bringen, ohne damit irgend etwas zum Positiven zu verändern.«
Nun ja, bei der besten Freundin oder Freund sollte man vielleicht doch bei der Wahrheit bleiben!
Aber auch folgender Spruch ist vielen bekannt: »Rede mit einem Kleinkind nicht in der Babysprache … sonst lernt es nie richtig sprechen!«.
Dabei handelt es sich auch um einen Trugschluss, denn Wissenschaftler fanden Folgendes heraus: »Beim Anblick eines Babys unbewusst in dessen ureigene Bewegungs- und Ausdrucksweise zu verfallen, ist ein sinnvoller biologischer Mechanismus, mit dem man dem Kind nicht schadet, sondern es stattdessen in seiner Entwicklung sogar fördert.«
Weitere Irrtümer sind unter anderem: »Schiele nicht absichtlich, sonst bleibt dir das!«; »Lass ein Baby nicht im Dunkeln schlafen!«; »Beim Essen spricht man nicht!«.
Im Epilog widmet sich der Autor einigen sinnvollen Regeln und Verboten, die man berücksichtigen sollte. So unter anderem: »Atme nicht so hektisch, sonst wird dir schwindelig!«; »Gegen Durchfall helfen Cola und Salzstangen.«; »Zieh bei Gewitter den Stecker des Fernsehers aus der Dose!«, ebenso der allen bekannte Spruch: »Käse schließt den Magen«.
Wer sich endlich lösen will und sich in seinem Leben nicht mehr einschränken möchte, sollte sich dieses etwas andere Lexikon zulegen. Aber auch als Geschenk ist dieses Buch empfehlenswert, falls Sie jemanden kennen, der sich das Leben unnötig schwer macht und viele dieser Regeln ohne Wenn und Aber befolgt.
Quelle: Anja Werner