Zum Tode von Kurt Erich Döll (To be Insider in 5 Minute n)

Letzter Abschied von einem Herrn

Weil er in der Zahl der Lenze
überschreitet nun die Grenze,
verabschiedet sich K. E. Döll,
noch viel zu früh und viel zu schnell…

Dr. phil. nat. Werner Pistor

So reimte Dr. phil. nat. Werner Pistor 1983 anlässlich der Verabschiedung des Grandseigneurs der Hörgeräte-Akustik nach 27 Jahren Siemens.

Nun hat sich der wunderbare Kurt Erich Döll endgültig verabschiedet, verstarb am 4. März 2005 im 84. Lebensjahr im Hospiz der Diakonie am Ohmplatz (Erlangen).

Wohl allen, die, wie der Schreiber dieser Zeilen persönlich kennen und erleben durften:

Ein Mixtum aus beruflicher Kompetenz und Menschlichkeit.

Kurt Iffland

Döll´s Persönlichkeit war von seinem Lebenslauf und den, gelinde gesagt, unorthodoxen Zeitläuften geprägt. Er wurde in Berlin geboren, ging dort und in Sorau/Niederlausitz zur Schule. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Agronom, weil er ein Gut geerbt hatte. Doch dann kam der Krieg, der – wie bei vielen – auch bei Döll brutal in die Lebensplanung eingriff. Nach achtjähriger Zugehörigkeit zur Wehrmacht […] wurde er entlassen, seine Heimat war polnisch und die politischen neuen Herrn hatten etwas dagegen, dass der ehemalige aktive Berufsoffizier studierte.
Döll bewies Überlebensmut als Transportarbeiter, Reitlehrer und Kraftfahrer, startete eine Ausbildung als Verlagskaufmann – wir haben im Anfang unserer Bekanntschaft richtig intensiv gefachsimpelt und seine Sympathie für den Median-Verlag kam, so gesehen, nicht von ungefähr.
1956 folgte jene berufliche Wendung für Kurt Erich Döll, die ihn zu unserem damals noch in Geburtswehen befindlichen Beruf führte. Er wurde Vertriebsleiter der Hamburger Firma Wendton. Und als die Firma Siemens 1957 für ihre Hörgeräte-Abteilung einen Vertriebs-Sachbearbeiter suchte, wechselte Döll von Hamburg nach Erlangen.

Bereits 1960 leitete er den Vertrieb der Hörgeräte-Abteilung und löste diese aus dem Monolith der »Medizinischen Technik« heraus. Effizienz und Ruf der Unternehmung gaben ihm recht. 1972 wurde er Chef des Geschäftsgebietes Hörgeräte bei Siemens und zum Direktor ernannt.

Solche Erfolge blieben in der Branche nicht unbemerkt. Bereits 1963 wurde Döll zum zweiten Vorsitzenden der Fachabteilung Hörgeräte und Audiometer im ZVEI e.V. berufen, 1973 übernahm er von H. Schimmelpfennig den Vorsitz der Fachgruppe. Er war gleichzeitig maßgebend bei der Gründung der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) beteiligt, schuf als wohl renommierteste Auszeichnung der Branche hier die Alexander Graham Bell – Medaille (deren Träger wie Prof. Hahlbrock oder Hugh S. Knowles von ihm geehrt wurden).

Auf Döll´s Initiative entstand auch das 2004 zum 31. Mal veranstaltete »Erlanger Kolloquium« audiologisch tätiger Physiker und Ingenieure. Ein Branchen- und firmenübergreifender Erfahrungsaustausch hohen Niveaus. Er war auch Gründungsmitglied des »Fördervereins der Akademie für Hörakustik (afh)«, der unendlich viel für die Lübecker Institution getan hat. Und er schuf die sogenannte »Feuerstein-Tagung« zur technologischen Fortbildung von Hörgeschädigten-Pädagogen, die auf Veranlassung von Kurt Erich Döll lange Jahre unter dem Patronat der Firma Siemens stand.

Wir könnten diese Vita unendlich weiterführen und mit zahlreichen uns auch persönlich bereichernden Zusammentreffen mit dem »großen alten Herrn der Branche« ergänzen. Und kämen dennoch nicht zu einem der Persönlichkeit des Verstorbenen gerecht werdenden Ende.

Kurt Erich Döll hat die Branche mit geschaffen, er hat sie bereichert und gefördert. Viel wichtiger: Kurt Erich Döll war ein wunderbarer Mensch, den wir nicht vergessen werden.

Autor: Christina Osterwald

 

Autor: Thomas Keck

Thomas Keck ist durch seinen Beruf als Hörsystemakustiker bestens mit der Präzision und Sorgfalt vertraut, die sowohl für die technische Arbeit als auch für den direkten Kundenkontakt erforderlich sind. Sein Werdegang zeugt von einer kontinuierlichen Entwicklung und einem hohen Maß an Fachwissen, unterstrichen durch den Meisterbrief und die Selbstständigkeit. Er verfolgt seine Interessen mit Leidenschaft und widmet sich einer Vielzahl von Aktivitäten, von Musik über die Beschäftigung mit Oldtimern bis hin zur Werteschätzung der Bibel. Thomas bewundert Menschen, die in ihrem Feld Spitzenleistungen erbringen, wie diverse Musiker und Schauspieler. Dies deutet auf eine hohe Wertschätzung für Expertise und handwerkliches Können hin.

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