Der Hörsystemmarkt 2004/2005 (To Be Insider in 5 Minute n)

Der Markt von Hörsystemen, wenn man überhaupt im Gesundheitswesen davon sprechen darf, hat sich im Jahre 2004 erwartungsgemäß nach unten entwickelt. So wurden gegenüber 2003 ca. 10 % weniger Hörsysteme von der Industrie verkauft. Die Umsatzentwicklung der Hörgeräte-Akustiker war im Durchschnitt noch schlechter.

Wenn man sich die Entwicklung der von der Industrie gemeldeten Stückzahlen 2004 genau betrachtet, muss beachtet werden, dass in den ersten vier Monaten 2004 sehr starke Zuwächse zu verzeichnen waren. Dies war auch kein Wunder, da es sich hierbei um so genannte Vorzieh-Effekte der Gesundheitsreform handelte, deren »positive« Auswirkungen zu Jahresanfang zu spüren waren. Bereinigt um diesen Vorzieheffekt wären die Stückzahlen bis Jahresende möglicherweise um über 15 % zurückgegangen.

Mit diesem Beitrag soll unsere Branche auf keinen Fall in Grund und Boden geschrieben werden; allerdings müssen wir uns einigen bitteren Wahrheiten stellen. Der Einbruch der Gesamt-Stückzahlen hat sich unterschiedlich ausgewirkt. So sind die IdO-Geräte mit 28 % stärker zurückgegangen als die HdO-Geräte mit ca. 6 %.

Weiterhin ist festzustellen, dass der Bereich der einkanaligen Geräte um ca. 70 % eingebrochen ist, wobei dieser nun nur noch einen Anteil am Gesamtmarkt von ca. 10 % hat. Dementsprechend haben sich die Stückzahlen im mehrkanaligen Bereich nahezu gehalten. Der Anteil der digitalen Hörsysteme am Gesamtmarkt ist erfreulicherweise auf ca. 70 % gestiegen. Die uns immer wieder vorgehaltene Parole, wir würden nur alte Kamellen verkaufen, ist damit hoffentlich ein für alle Mal aus der Welt geräumt.

Nun zu dem Gerücht, die Hörgeräte-Akustiker verkaufen nur teure Hörsysteme: Über 70 % der digitalen Hörsysteme wurden 2004 im unteren und mittleren Preissegment nachgefragt und erlebten sogar eine Steigerung gegenüber 2003. Des Kunden/Patienten Freude ist des Akustikers (und der Industrie) Leid. In Zeiten da »Geiz ist geil« die Werbung in Deutschland bestimmt und das verhaltene Konsumverhalten unsere Volkswirtschaft bedroht, wäre es widersinnig zu behaupten, den Hörgeräte-Akustikern würde es besser denn je ergehen. Auch wir müssen erleben, dass das veränderte Konsumverhalten nun auch das Gesundheitswesen erreicht hat.

Dennoch ist festzustellen, dass sich im »Top-Bereich« das Kundenverhalten nicht geändert hat. Aber auch das kann mit dem allgemeinen Konsumverhalten nachvollzogen werden. Kunden, die Qualität schätzen, werden immer bereit sein, einen entsprechenden Eigenanteil zu leisten. Und das ist die Chance, die wir nicht verpassen dürfen und sollen. Wir werden keine Kunden gewinnen, wenn wir über die Anpassleistung anderer Marktteilnehmer – wenn auch mit Recht – schimpfen. Die Chance besteht in der Dokumentation und Bewerbung unserer handwerklich hervorragenden und hochqualifizierten Dienstleistung.

Der Ausblick auf das Jahr 2005 ist verhalten. Die Erfahrungen zurückliegender Gesundheitsreformen haben gezeigt, dass die Auswirkungen erst 2 Jahre später zur vollen Wirkung gelangen. Die Absenkung in der Festbetrags-Gruppe 3 um 17% wird sich ebenfalls voll negativ auf die Umsätze auswirken. Um es deutlich zu sagen: Das Jahr 2005 wird wirtschaftlich sehr schwierig. Umso wichtiger wird es für den Unternehmer sein, seine betriebswirtschaftlichen Hausaufgaben zu machen. Nur wer seine Ausgabe-/ Einnahme-Situation kontinuierlich analysiert und entsprechend reagiert, kann in dieser schwierigen Zeit bestehen.

Allerdings sollte niemand den Kopf in den Sand stecken und sein Heil ausschließlich im Betriebsverkauf suchen. Der Hörsystemmarkt ist im wahrsten Sinne ein gesunder und wird es auch bleiben. Gemeinsam mit den Berufsverbänden, Einkaufs– und Marketing-Gemeinschaften, der Industrie und viel Optimismus wird es uns gelingen, das Tal der Reformen und Widerstände erfolgreich zu durchschreiten.

Autor: Jakob Stephan Baschab
Haupt-Geschäftsführer Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha)

 

 

Autor: Thomas Keck

Thomas Keck ist durch seinen Beruf als Hörsystemakustiker bestens mit der Präzision und Sorgfalt vertraut, die sowohl für die technische Arbeit als auch für den direkten Kundenkontakt erforderlich sind. Sein Werdegang zeugt von einer kontinuierlichen Entwicklung und einem hohen Maß an Fachwissen, unterstrichen durch den Meisterbrief und die Selbstständigkeit. Er verfolgt seine Interessen mit Leidenschaft und widmet sich einer Vielzahl von Aktivitäten, von Musik über die Beschäftigung mit Oldtimern bis hin zur Werteschätzung der Bibel. Thomas bewundert Menschen, die in ihrem Feld Spitzenleistungen erbringen, wie diverse Musiker und Schauspieler. Dies deutet auf eine hohe Wertschätzung für Expertise und handwerkliches Können hin.

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