Ein g´scheites Original, das wir vermissen werden…
Laudatio für Dipl.-Ing. Prof. h. c. Ludwig M. Moser, Akademischer Direktor, Leiter des Schwerpunktes »Technische Audiologie« an der Universitätsklinikum Würzburg: HNO-Klinik zum Eintritt in den Ruhestand.
Nach dem Studium der Nachrichtentechnik in München mit Diplom 1965 und anschließendem Studienaufenthalt in den U.S.A. mit einem FULBRIGHT-Stipendium sowie Erwerb des Titels »Master of Science« 1969 arbeitete Ludwig M. Moser als Entwicklungsingenieur für akustische Messgeräte einer sehr renommierten Firma in den U.S.A. und hielt Vorträge vor der Acoustical Society of America. Er wurde aus dieser Tätigkeit 1971 vom Gründer der Würzburger Kopfklinik, Prof. Dr. Horst Wullstein, als wissenschaftlicher Assistent für Audiologie bzw. experimentelle Audiologie engagiert.
Wullstein vermittelte eine schnelle Einarbeitung in klinisch-audiologische Probleme mit Besuchen in Holland und Teilnahme an einer sehr frühen Tagung der Arbeitsgemeinschaft Audiologie, aber er war auch behilflich, die nicht unkomplizierte Übersiedlung von [den] U.S.A. nach Deutschland administrativ unterstützen zu lassen. 1972 erfolgte Moser´s Ernennung zum wissenschaftlichen Assistenten. Obwohl es schon damals dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus nicht gelang, die Besonderheit des Moser´schen Lebenslaufes zu verstehen und sie sachgerecht für die Besoldung zu nutzen – trotz nicht unerheblicher Bemühungen von Seiten der Julius-Maximilians-Universität Würzburg – entwickelte sich Moser schon 1975 zum Akademischen Rat mit Aufsicht über die verschiedenen Werkstätten der Klinik, die Elektrophysiologie und die EDV-Anlage sowie einer ausgiebigen Doktorandenbetreuung. 1978 wurde er in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit übernommen.
Es folgten Lehraufträge, z.B. an die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt, und die Übernahme als Akademischer Oberrat 1980 sowie eine zunehmende Einbindung in die deutsche und europäische Aktivität der Hörgeräte-Akustiker. Herausragende Innovationen waren die Aufnahme einer CD-Audiometrieplatte (Laserplatte), eine Entwicklung, die unmittelbar auf Resonanz stieß, z.B. zu einer Einladung zur Audio Engineering Society Conference in Paris 1984 führte.
Die Weiterentwicklung messtechnischer Verfahren in der Audiometrie ging schnell voran, so wurden mit der Hörfeldaudiometrie nach Moser und Hellbrück nicht nur Hörgeräte ausgewählt, sondern auch Messwerte für Lautsprecher und Kopfhörer gewonnen. Moser wurde »der Mann am Ohr«, so die Zeitschrift »AUDIO+stereoplay«. Messtechnische Untersuchungen in der Industrie (Firma Sennheiser) ließen die Würzburger Skalierungsmethoden als schneller und umfangreicher erscheinen, als alle bekannten Messverfahren, und das bei kleinerem Messfehler.
Ab 1986, als der Lehrauftrag für die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt endete, wurde Moser Lehrbeauftragter für Biomathematik im ersten klinischen Studienabschnitt, da ein Lehrstuhl für Biomathematik damals nicht bestand und auch heute noch nicht besteht. […]
Die ruhelose Aktivität zur Optimierung der Audiologie und der Hörgeräteversorgung von PatientInnen nahm ab 1987 eher noch zu und führte in der Audiologie zu einem ständigen Brodeln mit Ausbau und Präzisierung der schon vorhandenen Kenntnisse und Erneuerung entsprechender Geräte, unter Ausnutzung der schnell zunehmenden Qualität der Informationsverarbeitung. So wurden von ihm mit Partnern in der Industrie neue Audiometer entwickelt, deren Innovation patentrechtlich geschützt werden konnte und die erstmalig zuließen, die Messgenauigkeit subjektiver Angaben zu kontrollieren.
Diese innovativen Tätigkeiten führten zu Entwicklungen, die auch vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst anerkannt wurden. So wurde Herrn Moser genehmigt, als Editor und Lektor beim Median-Verlag Heidelberg für die Zeitschrift »Zeitschrift für Audiologie« tätig zu werden.
Moser behielt sein Wissen und seine Kompetenz nicht für sich, sondern engagierte sich in hohem Maße bei Hörgeräte-Akustikern und Herstellern von Hörgeräten, um seine Erkenntnisse möglichst vielen Patienten sachgerecht nutzbar machen zu lassen. So wurden immer wieder Arbeitstagungen für die Anpassung von mehrkanaligen Hörgeräten, und zwar in Deutsch und Englisch, organisiert.
Eine umfangreiche, sehr eng berufsbezogene Reisetätigkeit in Deutschland und auch in viele ausländische Universitäten war unausweichlich, so z.B. die Tätigkeit als Gastprofessor der University of Western Ontario in Kanada. Die bürokratischen Hürden, die all diesen Aktivitäten nicht gerade förderlich waren, ließen sich geduldig und freundlich überwinden.
1990 erfolgte die Ernennung zum Akademischen Direktor. 2002 erhielt Moser den Titel »Professor h. c.« vom Zentralen Universitätshospital-System in Ulaanbataar, Mongolei, verliehen.
Dipl.-Ing. Prof. h. c. Ludwig M. Moser, Leiter des Schwerpunktes »Technische Audiologie«, aber gleichzeitig auch Verantwortlicher für die feinmechanische und die elektronische Werkstatt der Klinik sowie die Klinikkompetenz an sich für sämtliche EDV-Anlagen, hat sich um die Würzburger HNO-Klinik im Kopfklinikum außerordentlich verdient gemacht. Wissenschaftlich erarbeitete er mit einer großen Schar von Doktoranden Standards für die moderne klinische Audiometrie und die technische Weiterentwicklung von Testgeräten und Hörhilfen. Er überprüfte hartnäckig, originell und erfolgreich viele Aspekte der technischen Hörhilfen für Patienten, denen operativ eine Besserung nicht zuteil werden konnte und widmete sich damit einem Patientenkollektiv, das etwa 10 x so groß ist, wie dasjenige für hörverbessernde Operationen. Stets freundlich und manchmal nachdenk- lich in seinem Wesen kann Ludwig Moser auf ein Lebenswerk zurückblicken, das für einen Diplomingenieur in einer deutschen Universitäts – Hals-Nasen-Ohrenklinik einzigartig positiv ist.
Autor: Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jan Helms