Mit Blick auf ein bewegtes Leben
Kollege Gustav Müller aus Saarbrücken, ein reger Berufsstand-Aktivist in verschiedenen Gremien während seiner Tätigkeit, konnte kürzlich seinen 85. Geburtstag feiern. Wir gratulieren respektvoll mit einem Text, den Herbert Bonsel dem Jubilar gewidmet hat – Red.
Lieber Gustav,
nun wirst Du heute 85 Jahre alt und blickst auf ein erfolgreiches Leben zurück. Einen kleinen Teil Deines Lebensweges haben wir gemeinsam zurück gelegt. Das bezog sich – nicht nur – auf unseren gemeinsamen Beruf.
Im Jahre 1966 warst Du in Sainte-Marie-aux-Mines / Frankreich, das Dir zuliebe seither »Müllertal« heißt, Gründungsmitglied des BIAP, einer internationalen Organisation, die sich mit den Sparten Gehör – Stimme – Sprache befasst.
1973 fand die jährliche Konvention in Fuengirola, Spanien, im Hotel Marenostrum statt. Du hattest Dr. Peter Plath als ausgewiesenen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Audiologie und mich als »Berufs-Fuzzi« zu dieser Konvention eingeladen. Seit dieser Zeit haben wir, der heutige Prof. Dr. habil. Peter Plath und ich, alljährlich im Bureau International d’Audiophonologie (BIAP) zusammengearbeitet.
Inzwischen sind 33 Jahre vergangen und unser aller berufliche Tätigkeit ist zu Ende, aber gern denken wir an diese Zeit zurück. Entstand daraus doch unsere gemeinsame Freundschaft und – auch – die Freude an Wanderungen. Fing das nicht in Fuengirola an?
Jedenfalls entstand daraus der 2. Berührungspunkt in unserem Leben: die gemeinsame Reiselust. Zunächst aber galt es auszuloten, ob gemeinsame Aktivitäten überhaupt möglich sind. Eine Schnupperreise nach Mallorca mit einer vierstündigen Wanderung zeigte, dass einer »Reisewelle« nichts im Wege steht. Und gleichzeitig konnten wir bei den Kommissionen des BIAP durch unermüdliches »Bohren« europäischen Mindeststandards für unseren Beruf den Weg bereiten. Neben der jährlichen Teilnahme an den BIAP-Treffen und den dort obligatorischen Wanderungen entwickelte sich höchst privatim eine lebhafte Erkundungs-Reisewelle rund um die Welt.
Madeira, Kanada, U.S.A., Neuseeland, Chile und Afrika waren unsere gemeinsamen Reiseziele. Meist waren wir in Wohnmobilen unterwegs – ungebunden und frei. In dichtestem Verkehr – so in Auckland – wo links gefahren wird, folgtest Du, lieber Gustav, ohne Zögern mir, dem Vorausfahrenden. Auch denke ich noch gerne an Deine Grillkünste zurück, an die Lammkarrees und die saftigen Steaks. Dies sind Erinnerungen, die unsere Vergangenheit erinnerungswürdig machen und uns prägten…
Aber auch Deine Berufsaktivitäten sind beachtlich. Neben dem Aufbau eines Unternehmens der Hörgeräte-Akustiker – Branche hast Du die Zeit gefunden, als Gründungsmitglied des BIAP und Präsident der Kommission 08 zum erfolgreichen Wirken dieser Organisation beigetragen zu haben.
Kommission 08 war für Public Relations zuständig und keiner konnte so wie Du Gelder für den Verband der Industrie locker machen. So hast Du auch hier wesentlich am Aufbau dieses internationalen Verbandes beigetragen. Wegen Deiner Verdienste warst Du viele Jahre Vizepräsident des BIAP. Damit nicht genug: Auch in den nationalen Berufsorganisationen warst Du aktiv. So als Gründungsmitglied in der Union der Hörakustiker e.V. (UHA) und ebenso als »Gründer« in der jungfräulichen Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha).
Von Anfang an warst Du im Vorstand beider Verbände aktiv bis zur Belastungsgrenze und wurdest in beiden mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. In der Union wurdest Du in Würdigung Deines Einsatzes zum Ehrenmitglied ernannt.
Wenn man auf Dein Leben zurückblickt, darf man auch eine weitere Facette nicht unerwähnt lassen: Deine Mitgliedschaft im Schwanenritter-Orden, wo man Dich zum Ritter schlug und wo Du eine Menge wohltätige Arbeit zusamt privater Investitionen eingebracht hast. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes war – fast selbstverständlich – eine weitere Anerkennung Deines Lebenswerkes. Und damit nicht genug:
Auch die Gehörlosen und Schwerhörigen des Saarlandes schulden Dir Dank.
Ein eigenes Club-Haus für den Verband geht auf Dein Konto. Jahrelang warst Du der Präsident des Landesverbandes der Gehörlosen Saarland e.V. Dass Du Dich auch dort ehrenamtlich – und nicht selten mit privaten Mitteln – stets hilfreich mit Rat und Tat eingebracht hast, wird bei den Betroffenen bestimmt unvergessen sein – und die Gehörlosen mit Dankbarkeit.
Zu guter Letzt: Möge Dir noch ein reiches, erfülltes Leben zuteil werden. Schließlich hast Du versprochen, Deinen hundertsten Geburtstag in der Saarlandhalle Saarbrücken zu feiern (»Die Sau auf’s Sofa zu werfen«, wie Du Dich auszudrücken beliebst). Darauf freuen wir uns alle schon heute.
Im Namen der Berufsverbände und aller Kollegen, die Dich nie vergessen haben, wünsche ich Dir, lieber Gustav, Gesundheit und Zufriedenheit.
Autor: Herbert Bonsel